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Vorschau Magazin

Öfter mal nichts Neues!?

Liebe Leserinnen und Leser, schöne Präsentationen und tolle Messestände konnten auf der Intermot in Köln nicht darüber hinweg trösten, dass wir für die kommende Saison nicht viele Neuheiten erwarten dürfen. Die Hersteller setzen auf Modellpflege und Facelifts. Das, was es an neuen Modellen gibt, wurde größtenteils schon im Laufe der Saison vorgestellt und war für uns wenig überraschend. Dennoch – wenn man genauer hinsieht – sind einige Highlights zu entdecken. So bringt CFMOTO endlich den lang erwarteten Tausender raus, Can-Am rüstet die Reihe der neuen Mavericks mit einem Sportmodell auf. Nicht auf der Messe zu sehen waren die beiden deutschen Hersteller Exeet und E.-ATV mit ihren neuen Quads. Zwei Boliden, die die Szene begeistern dürften und angesichts der dünn aufgestellten Modellvielfalt der letzten Jahre als wahre Lichtblicke wirken. Doch – lange Rede kurzer Sinn: alle diese interessanten Neuheiten haben wir in dieser letzten Ausgabe des Jahres 2018 zusammen gebracht und Probe gefahren. Bestes Lesefutter für die kalten Tage. Neuestes Zubehör findet Ihr übrigens bei den Tipps. In den zurückliegenden Jahrhundertsommer fielen viele schöne, auch neue Veranstaltungen, die wir besuchen durften und die wieder einmal von der Lebendigkeit unserer Community zeugen. Wir konnten für Euch damit einen Schwerpunkt für dieses Heft bilden, in der Hoffnung, dass für den Einen oder Anderen eine Anregung für 2019 dabei ist, wo wir uns dann ganz sicher wieder treffen, wünscht sich

Ralf Wilke, Chefredakteur
redaktion@quadwelt.de


Ein Liter Hubraum

CFMOTO präsentierte auf der Intermot wie erwartet seine neue Tausender. Die Einliter-Maschine mit 59 kW (80 PS) offener Leistung ist bereits aus dem ZForce 1000 bekannt. Wie macht sie sich im ATV-Chassis? Um das herauszufinden schafften wir die neue CForce direkt vom Messestand ins Gelände.

Wer hätte das vor ein paar Jahren wohl gedacht? Ein ATV aus chinesischer Produktion soll mit den bekannten Premiummarken mithalten? Damals undenkbar, heute Realität. Das komplette Modelangebot von CFMOTO hat sich im täglichen Einsatz bewährt. Wir haben keine Zweifel, dass auch die neue CForce 850 die hohen Erwartungen erfüllt.

 

Dank unseren guten Beziehungen zu Kremsreiters Quad & ATV Ranch in Eging am See (www.quad-atv-ranch.de), die wiederum stets als einer der ersten Händler mit neuen Modellen beliefert werden, können wir uns schon mal einen ersten Eindruck von dem neuen Flaggschiff der CFMOTO-Flotte holen. Flaggschiff zumindest so lange, wie das bereits auf Messen gezeigte 1000er ATV auf den Markt kommt. Aber da ist es noch nicht so weit, deshalb freuen wir uns also erstmal über das Modell-Update, als das man die 850 wohl bezeichnen darf. Denn der Motor wurde nur in Details überarbeitet, neben einigen kleinen Änderungen am Fahrwerk und Chassis wurde aber die Optik der Verkleidung sofort erkennbar verändert, bzw. nochmals geschärft.

Die deutsche LOF-Zulassung gibt es ja schon bekanntlich quasi ab Werk, wodurch die Spitzenleistung bei dieser Variante im Vergleich zur L7-e Zulassung (EU) mit 70 PS um rund 5 PS höher liegen wird. Ob sich dies auch auf die Performance auswirkt, wollen wir aber gleich als erstes in Erfahrung bringen. Der Motor läuft erstaunlich ruhig im Stand. Sehr ähnlich wie bei einem Reihenmotor (Polaris etc.), das hat mit dem etwas unruhigen V2 Motor der älteren CForce-Generation weniger gemeinsam.  Die Gasannahme ist absolut direkt und exakt.

Zum Thema Schaltung – so sind wir das von CFMOTO nicht gewohnt. Der Wahlhebel gleitet förmlich in die gewünschte Position. Das geht tatsächlich butterweich. Anfahren gestaltet sich tatsächlich im direkten Vergleich zur 820er wesentlich geschmeidiger. Das leichte „rupfen / ruckeln“ der alten Nasskupplung ist komplett eliminiert. Grund dafür, bei der 850 kommt die CVTECH der kleineren Modellreihe (450/550) zum Einsatz, die mit der höheren Motorleistung aber anscheinend gut zurande kommt. Da wir bei der ersten Testfahrt noch keine Messdaten ermitteln konnten, sind einige Fahreindrücke natürlich rein subjektiv. Allerdings scheint die Beschleunigung um einiges kräftiger auszufallen als bei dem Vorgänger. Auf jeden Fall zieht die Automatik ohne Einbrüche bis 100 km/h konstant durch, das war bei der 800er manchmal etwas problematisch. Auch das von vielen Kunden als störend empfundene „Riemensingen“ hat man bei CFMOTO anscheinend in den Griff bekommen, wir können jedenfalls nichts dergleichen feststellen. Überhaupt klingt das Fahrzeug wirklich kraftvoll und erwachsen. Die Höchstgeschwindigkeit laut Tacho beträgt 123 km/h. Per PKW-Tacho abgeglichen bleiben da immer noch 113 km/h übrig. Wie gesagt, exakte Messungen waren noch nicht durchführbar.

Auffällig ist aber sofort das veränderte Fahrwerk, das den Eindruck vermittelt, wie auf Schienen zu fahren. Der Geradeauslauf zeigt sich vorbildlich, selbst bei Höchstgeschwindigkeit wirkt nichts nervös. Der Stabilisator an der Hinterachse ist dabei sicher sehr hilfreich. Die elektrische Lenkhilfe leistet hier ebenfalls einen guten Anteil zum entspannten Eindruck. In Kurven bleibt das Fahrwerk lange stabil, das heißt, der Kontakt aller Räder zum Untergrund bleibt lange gewährleistet. Abhebende Räder wollen wirklich durch extreme Fahrmanöver provoziert werden. Dadurch bekommt der Fahrer auch bei hohem Tempo sehr schnell ein sicheres Gefühl. Überhaupt ist das Thema Fahrgefühl ungewöhnlich einfach zu beschreiben. Egal ob Anfänger oder erfahrener Pilot, dieses ATV stellt keine großen Anforderungen und macht auf den ersten Metern schon den Eindruck, als wenn man nie etwas anderes gefahren wäre. Der 800er CForce hat in der Szene ja den Nimbus eines klassischen Tourer-ATV. Der neue 850er wird durch die neue Geometrie und den Einsatz höherwertiger, bzw. geänderter Teile wahrscheinlich eher als Allrounder empfunden.

Dazu tragen auch der größere Federweg und eine andere Grundeinstellung der Dämpfer bei. Das Öldruckfahrwerk macht so schon einen guten Job. Die Abstimmung passt auf Anhieb für den Straßeneinsatz, oder auch eine knifflige Trial-Einlage. Wie wir erfahren, steht allerdings noch nicht ganz fest, ob die 850er nicht eventuell auch mit einem Gasdruck-Fahrwerk ausgeliefert werden soll. So oder so, die Qualität ist in der jetzigen Form völlig ausreichend und überzeugend. Obwohl die Fahrzeuglänge mit dem Vorgänger identisch ist, optisch scheint die 850 CForce etwas kompakter. Die Sitzposition de Fahrers ist ebenfalls gleich, aber der Beifahrersitz wurde nochmals aufgewertet. Ein Passagier sitzt hier also sprichwörtlich wie ein König auf dem Thron. Auffällig im Gelände sind die neuen, erhöhten Fußrasten aus Aluminium, die dem Fahrer in Kurvenfahrten viel bessere Stabilität geben. Das große Kombiinstrument zeigt alle wichtigen Fahrdaten gut ablesbar an. Im Vergleich zu den anderen „Premium-Marken“ muss sich CFMOTO auch beim Thema Mäusekino nicht verstecken. Der Tacho macht einen guten Eindruck und wirkt hochwertig. Die Handprotektoren verfügen jetzt über robuste und verzinkte Metallrahmen, da wackelt nichts und stabil sind die Teile auch. Ebenfalls die Optik, aber auch die Sicherheit erhöhen die komplett in LED-Technik ausgeführten Scheinwerfer und Rückleuchten. Auch das Tagfahrlicht ist mit der modernen Technik ausgeführt. Das sieht wirklich toll aus. Apropos tolles Aussehen, die CFMOTO Aluminiumfelgen können sich wirklich sehen lassen. Fürs Gelände fast zu Schade, könnte man meinen, aber das müssen und werden die Dinger halt aushalten.

Der Tankstutzen am hinteren linken Kotflügel erleichtert jetzt auch das Tanken, vor allem mit einem Kanister. Am Heck findet sich dann noch ein Staufach für Werkzeug, Verbandskasten und kleines Warndreieck. Mehr lässt sich auf den Gepäck-Racks vorn und hinten transportieren, da kann man natürlich auch die Transportboxen aus dem Zubehörsortiment montieren. Also alles schön und gut soweit. OK, nichts zu meckern? Klar, man findet immer etwas, das noch Potenzial hat. So für unseren Eindruck die Bremsleistung. Zwar verfügt die 850er über vier hydraulisch betätigte Scheibenbremsen, aber die könnten etwas knackiger zupacken. Auf der anderen Seite wollen wir nicht vergessen, dass wir ein fabrikneues Fahrzeug mit wenigen Kilometern Laufleistung fahren. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich Bremsscheiben oft über ein paar hundert Kilometer einlaufen und die Bremsleistung sich tatsächlich noch verbessert. Aber wir jammern hier auf hohem Niveau, denn die Bremsen sind den Anforderungen stets gewachsen.

Zu einem fairen Kurs von 10.699 Euro kann der Interessent ein voll ausgestattetes ATV der Oberklasse erwarten. CFMOTO hat sich in den letzten Jahren mit guter Qualität zum günstigen Preis einen echten Namen gemacht. Mit dem neuen Flaggschiff wird diese Aussage ganz sicher noch weiter untermauert. Wir sind schon gespannt auf den ersten direkten Vergleich mit den Mitbewerbern, die aber auch nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen kommen, wie man im Land der aufgehenden Sonne trefflich sagt.

Technische Daten

Farben: Orange, Camouflage-Braun, Schwarz

Motor: V2 Zylinder, 4-Takt, SOHC, flüssigkeitsgekühlt

Hubraum: 800 cm³

Maximale Leistung: 46 kW / 52 kW bei 7.250 rpm (L7e-B1/ LOF)

Maximales Drehmoment: 64 Nm bei 6.500 rpm (L7e-B1)

Tankinhalt: 30 l

Getriebe: CVT mit Retour- und Untersetzungsgang

Antrieb: manuell zuschaltbarer Allradantrieb, zuschaltbare Differentialsperre

Eigenmasse: 447 kg

Max. Gesamtmasse: 687 kg

Starter: Elektrostarter

Bremsen: 2 hydraulische Scheibenbremsen vorne,2 hydraulische Scheibenbremsen hinten

Sitzplätze: 2

Länge: 2.310 mm

Breite: 1.264 mm

Höhe: 1.420 mm

Radstand: 1.480 mm

Bodenfreiheit: 285 mm

Bereifung vorne: AT 26×9-14

Bereifung hinten: AT 26×11-14